Alte Freunde, Lampenfieber und peinliche Panne

Doris Schweitzer, Jürgen Baumgarten und Norbert Radermacher
Doris Schweitzer, Jürgen Baumgarten und Norbert Radermacher

Als ich vom Schreibwettbewerb „Lingener Feder“ erfuhr, stand für mich fest: Dort muss ich mitmachen. Gesucht wurde eine Kurzgeschichte zum Thema „Es geschah in Lingen“.

Nach einer Idee musste ich nicht lange suchen. Ich war in meiner aktiven Zeit beim Amateurtheater Rampenlicht mehrfach in Lingen, um dort Seminare zu besuchen. Zudem kenne ich den Gründer des Theaterpädagogischen Zentrums Lingen (TPZ), Norbert Radermacher, und seine Mitarbeiterin Doris Schweitzer auch aus fast 20 Jahren Vorstandsarbeit im Amateurtheaterverband Niedersachsen.

Es würde in meiner Story also um Theater gehen, genauer gesagt um das TPZ. Es wurde ein Krimi daraus, der ein paar Jahrzehnte in der Zukunft spielt. „Das Rätsel der verschwundenen Theaterfrau“. Natürlich humorvoll. Wie sonst, wenn ich etwas schreibe.

Herzlichen Glückwunsch! Sie sind auf der Longlist.“

Im Juni bekam ich die Nachricht von Andrea Thal, der Veranstalterin des Wettbewerbs, dass die Jury meinen Beitrag unter die besten 20 Einsendungen gewählt hat. Von 141 insgesamt. Das bedeutet, dass meine Geschichte in der Wettbewerbs-Anthologie erscheinen wird. Hurra, ich bin Buchautor!

Wer unter die letzten 5 kommen würde, sollte ein online-Abstimmung entscheiden. Jeder konnte abstimmen. Also habe ich in meinem Bekanntenkreis und auf Instagram und Facebook kräftig die Werbetrommel gerührt.

Eigenwerbung auf Instagram + Facebook.
Seite 2 dazu.
Zur Lesung nach Lingen

Alle Autorinnen und Autoren der Longlist wurden eingeladen, ihren Beitrag an einem von drei Terminen in Lingen live dem Publikum vorzustellen. Ich reiste für den zweiten Leseabend am 1. September an. Schon einen Tag vorher, um nicht nach langer Fahrt vielleicht zu erschöpft oder überfordert für die Lesung zu sein. Bei meiner Depression muss ich immer mit solchen Problemen rechnen.

Meine Entscheidung, wo ich übernachte, fiel schnell. Das „Hotel am Wasserfall“ hat ein eigenes Schwimmbad. Ruhig gelegen an der Ems, die Lingener Innenstadt ist mit dem Auto binnen kurzer Zeit zu erreichen.

Ich habe die Wahl nicht bereut. Das Schwimmbad habe ich drei Mal besucht, zwei Mal hatte ich es für mich alleine. Das Bett war bequem und das Frühstücksbuffet von der Art, dass ich an beiden Tagen erst gegen Abend wieder Hunger bekam.

Alter Theaterhase mit Lampenfieber

Vor dem Emsland-Museum stellte sich Aufregung bei mir ein. Damit hatte ich nicht gerechnet. Es war doch nur eine Lesung! Ich konnte keinen Text vergessen. Kein Requisit konnte querschießen. Ich musste mich auf keine Mitspieler einstellen. Musste nicht aufpassen, nicht von der Bühne zu fallen oder die Dekoration umzuwerfen. Läppisch für jemanden, der fast 30 Jahre auf der Theaterbühne gestanden hat. Trotzdem hatte ich Lampenfieber.

Ich war erst nach der Pause dran. Hatte Zeit, mich mit Doris und Norbert zu unterhalten (siehe Foto ganz oben). Und mit Melanie Jungk, einer Autorenkollegin, die ich von einem Schreibcamp kenne.

Wie bei einem Theaterauftritt verflog die Nervosität bei mir, sobald ich vor Publikum stand. Ich behielt Norbert im Blick, als ich vorlas: „Sie ist Trägerin der Norbert-Radermacher-Gedächtnis-Medaille.“ Ich konnte seinen Gesichtsausdruck nicht deuten. Ich fragte ihn kurz darauf vor dem Publikum, wie ihm die Idee einer Medaille gefällt, die nach ihm benannt wird. „Ein Pokal wäre mir lieber“, sagte er. Einen Pokal kann man mit Bier oder Wein füllen. Norbert mag über 80 sein. Sein Humor ist jung geblieben.

Im Anschluss nahm mich Norbert beiseite. Ich hatte etwas von der Rivalität der Emsländer zu den Papenburgern geschrieben. Aber Papenburg, so eröffnete er mir, gehört zum Landkreis Emsland. Wie peinlich! Eine simple Recherche hätte diesen Fehler verhindert. Man sollte sich eben nicht immer auf das eigene Wissen verlassen.

Die Autorinnen und Autoren des zweiten Leseabends. Foto: Malin Bönemann
Das Ende vom Lied

Die online-Abstimmung lief bis Ende September. Die beiden Erstplatzierten kamen in die Endrunde, dazu noch drei, die die Jury bestimmt hat. Ich war nicht darunter.

Am 6. November findet die Preisverleihung statt. Alle Autorinnen und Autoren von der Longlist sind eingeladen. Ich werde nicht teilnehmen. Noch einmal die Reisekosten, das würde mein ohnehin strapaziertes Budget sprengen.

Aber meine Kurzgeschichte wird nicht in der Versenkung verschwinden. Ich werde sie umschreiben, sodass sie in meiner Heimatstadt Lüneburg spielt. Der Sonderermittler Joost Bang auf seinem 2025er E-Scooter „Molli“ bekommt vielleicht sogar eine Fortsetzung. Ich probiere ihn im März bei einer Lesung in der KulturBäckerei Lüneburg aus. Und werde genau darauf achten, nicht wieder eine Peinlichkeit einzubauen.

Sonderermittler Joost Bang auf seinem 2025er E-Scooter „Molli“

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